Medizinische Behandlung mit Blutegeln und Maden
Da Blutegel sehr sensible Tiere sind, gibt es im Vorfeld einer Behandlung einige Dinge zu beachten. Die kleinen Hilfsärzte reagieren äußerst allergisch auf Parfum und Hautlotionen. Solche Stoffe halten sie unter Umständen vom Biss ab. Daher sollte sich der Patient vor der Behandlung weder mit Seife waschen noch eincremen.
Die eigentliche Behandlung mit Blutegeln ist im Grunde genommen ganz unkompliziert. Pro Behandlung werden dem Patienten vier bis sechs, maximal 12 Egel in der Nähe der Wunde angesetzt. Die richtige Anbissstelle suchen sich die Tiere selbst. Hat ein Blutegel eine gut durchblutete Stelle gefunden, heftet er sich mit seinen Saugnäpfen an die Haut. Mit Hilfe von drei halblinsenförmigen Zahnreihen dringt der Parasit sägend zu den Blutgefäßen vor und pumpt dabei unablässig seinen Speichel in die Wunde. Man kann auch sagen, er "spuckt" in die Wunde. Dabei werden viele wertvolle Subtanzen abgegeben. Bis zu 100 verschiedene Inhaltsstoffe vermuten Forscher im Speichel des Egels, darunter den gerinnungshemmenden Wirkstoff Hirudin. Hirudin gibt es seit vielen Jahren auch als gentechnologisch hergestelltes Präparat, nur ist das weniger wirksam.
Durch die Wirkstoffe im Speichel werden auch die Gefäße geweitet, Stauungen werden gelöst und das Blut kann wieder gleichmäßig fließen. Dieser Effekt ist besonders bei Transplantationen wichtig, damit der neue Körperteil schnell und gut durchblutet wird. Denn nach einer Operation ist es oft problematisch, den Blutfluss wieder in Gang zu bringen. Die Blutegel helfen,indem sie das angestaute Blut aufsaugen und das gerinnungshemmende Hirudin mit ihrem Speichel in die Wunde abgeben und so die Durchblutung wieder anregen.
Wenn sich die kleinen Trinker nach 30 bis 60 Minuten mit Blut vollgesaugt haben, fallen sie von allein von der Wunde ab. Sie haben dann etwa ein Schnapsglas voll Blut aufgenommen. Ihr Körpergewicht hat sich dabei verzehntfacht. In der freien Wildbahn können die Egel bis zu zwei Jahren mit einer solchen Mahlzeit auskommen. Auf keinen Fall dürfen die vollgesaugten Egel gewaltsam entfernt werden. Beim Entfernen könnten die Tiere gequetscht werden und sich in die Wunde erbrechen. Der Speichel-Blut-Mix aus dem Magen der Egel kann in den frischen Wunden zu Infektionen führen.
Die Blutegel hinterlassen eine y-förmige Bisswunde, die bis zu 24 Stunden nachbluten kann. Dabei erhöht sich der Blutverlust um das Doppelte oder Dreifache. Es ist daher wichtig, die Wunde sorgfältig und steril abzubinden und regelmäßig zu kontrollieren.
Nachhelfen beim Positionieren
Manche Patienten sagen, es fühlt sich an, wie ein Mückenstich, andere fühlen sich eher an einen Wespenstich erinnert. Kein wirklich angenehmes Gefühl also, aber der stechende Schmerz lässt schnell nach, weil im Speichel der Blutegel auch narkotisierende, schmerzlindernde Stoffe enthalten sind.
Sie wurden gehasst und geliebt, waren vom Aussterben betroht, aber kämpften
immer um ihre Daseins-Berechtigung.
Jetzt haben sie ihr größtes Comeback in der westlichen Medizin.
Mark Siddall vom "American Museum of Natural History" erklärt wieso wir
eine solche Ehrfurcht vor diesen kleinen Heilern haben.