Medizinische Behandlung mit Blutegeln und Maden
Zur Behandlung eines Patienten mit Maden werden die Tierchen entweder direkt (offener Verband) oder in sterilen Membranbeuteln, sogenannten „Biobags“, auf die Wunde gelegt. Die Maden haben keinen Magen. Sie sondern zunächst Verdauungsenzyme aus, welche das tote oder kranke Gewebe verflüssigen. Danach wird es aufgesaugt und im Darm verdaut. Auf diese Weise können die Maden in wenigen Tagen ihr Körpergewicht verhundertfachen. Mit den starken Mundharken können sie ihr Sekret in der Wunde verteilen, dadurch findet gleichzeitig auch eine antimikrobielle Reinigung der Wunde statt.
Außerdem haben Maden ringförmige Harkenkränze, mit denen sie sich fortbewegen können. Durch die Bewegung auf der Wunde wird zugleich das gesunde Gewebe stimuliert und somit die Heilung unterstützt. Schließlich enthält das Madensekret noch Bestandteile, die dem menschlichen Wachstumshormon IGF ähnlich sind, so dass eine Förderung des Wundverschlusses ebenfalls erfolgt. Alle drei bis vier Tage müssen die Biobags ausgewechselt werden, denn dann haben sich die Maden mit krankem Gewebe vollgefressen.
Das Besondere an der medizinisch eingesetzten Made ist, dass sie nur das
tote Gewebe auflöst. Das gesunde wird von den Enzymen nicht zersetzt.
Das abgesonderte Verdauungssekret beschleunigt zudem den Heilungsprozess.
Die Maden sind auch in der Lage, Bakterien zu töten. Deshalb können
sie sogar da helfen, wo Antibiotika versagen. Man kann z.B. mit dieser Therapie
MRSA erfolgreich und relativ schnell verringern und auch bekämpfen.
Gerade bei Verwendung von Membranbeuteln ist die Madentherapie so gut wie schmerzfrei. Viele Patienten bemerken die Anwesenheit der Maden überhaupt nicht, andere spüren meist nur ein leichtes Kitzeln.
Schmeißfliege Lucilia Sericata
Für die klinische Madentherapie ist nicht jede Fliegenart geeignet. Zur Zeit werden zu Therapiezwecken vor allem die Larven der Schmeißfliege Lucilia Sericata gezüchtet. Sie ernähren sich ausschließlich von abgestorbenem Gewebe. Gesundes Gewebe wird geschont und die Wundheilung angeregt. Im Gegensatz zu anderen Fliegenarten benutzen sie ihre Mundwerkzeuge nicht, um sich in die Tiefe der Wunde hinein zu fressen. Außerdem können sie nicht in tiefere Hautschichten eindringen, da sie Luft zum Atmen benötigen. Andere Schmeißfliegenlarven dagegen greifen gesundes Gewebe an und können Krankheiten übertragen.
Dr. Majunke bei Patient
Die Behandlung muss nicht zwingend im Krankenhaus erfolgen. Aufgrund wesentlich geringerer Behandlungskosten wird sie sogar bevorzugt ambulant durchgeführt. Nur bei sehr starken Infektionen ist eine stationäre Behandlung erforderlich oder wenn ergänzend größere operative Eingriffe anstehen. Die ambulante Behandlung bietet den Vorteil, dass der Patient in seiner häuslichen Umgebung bleiben kann. Allerdings geht dies meist zu Lasten der Behandlungssicherheit.

Biochirurgie: Die wieder entdeckte Behandlungsmethode bei diabetischem Fuß und anderen schlecht heilenden Wunden
von Dr. med. Wim Fleischmann und Dr. med. Martin Grassberger
www.trias-gesund.de