Medizinische Behandlung mit Blutegeln und Maden
Nach einem schweren Treppensturz im Urlaub wird Marco Alvarez sofort ins Krankenhaus eingeliefert und operiert. Doch die Operationswunde verheilt nicht richtig und sein Zustand verschlechtert sich. Marco erzählt uns wie er auf die Madentherapie aufmerksam wurde und wie ihm die Tierchen geholfen haben.
Die Wundsprechstunde im Krankenhaus Bietigheim ist für Martin Kiefert der letzte Rettungsanker. Vor zwei Jahren hatte der damals Dreißigjährige einen Skiunfall. Eigentlich ein Routine-Fall: Kreuzbandriss, Operation, drei Tage Krankenhaus, dann Reha. Nach einem Monat sollte alles wieder in Ordnung sein. Doch bei Martin kam alles anders. Er hatte sich im Krankenhaus mit antibiotikaresistenten Bakterien infiziert. Eigentlich ist der Bakterienstamm Staphylococcus aureus harmlos und besiedelt Haut und Schleimhaut von vielen Menschen. Geraten die Bakterien jedoch in eine offene Wunde, können sie schwere Infektionen hervorrufen. Sind sie dann noch resistent gegen Antibiotika, werden sie zum Albtraum.
Martin’s pochende und eiternde Wunde hatte ihn von einem zum anderen Tag arbeitsunfähig gemacht und eigentlich stand fest, dass sein rechter Unterschenkel amputiert werden muss. Dann erfuhr Martin von Dr. med. Fleischmann und seinem Kampf für den Einsatz von Fliegenmaden bei schlecht heilenden Wunden.
„Bei der chronisch gestörten Wundheilung, versagt die Fähigkeit des Organismus zur Selbstheilung. Die mikrobiologische Barriere der Haut ist durch die Wunde zusammengebrochen. Bakterien, Pilze und Viren können sich ansiedeln und verhindern die Wundheilung. Maden und ihre antiseptische Wirkung sind da manchmal die letzten Helfer“, erklärt der Chefarzt. Er ist davon überzeugt, dass Martin’s Wunde durch den Einsatz von Maden endlich heilen könnte und die drohende Amputation überflüssig machen würde.
Dr. Fleischmann bei der Visite
Martin findet Maden zwar unglaublich ekelhaft, aber bevor er sein rechtes Bein verliert, ist ihm jedes Mittel recht und als Schwester Barbara dann mit den Biobags in das Behandlungszimmer kommt, ist er fast schon erleichtert. Keine freilaufenden Maden in seine Wunde eingesetzt zu bekommen, verbessert seine Stimmung merklich. Schwester Barbara platziert die Biobags direkt in die offene Fußwunde. Noch spürt Patient Martin allerdings kein Kribbeln. Das setzt normalerweise ein wenig später ein. Oft hören die pochenden Schmerzen der entzündeten Wunde einige Stunden oder auch einige Tage nach dem Madeneinsatz auf. Die Wunde wird mit einem einfachen Mullverband abgedeckt, der das verflüssigte nekrotische Gewebe aufnimmt und noch genug Luft durchlässt.
Nach drei Tagen wird der Verband gewechselt. Er ist feucht – damit
die Maden nicht austrocknen, hat Martin drei Mal am Tag eine sterile Kochsalzlösung
auf den Mull aufgetragen. Die Wunde weist eine Rotverfärbung als Zeichen
einer gesteigerten Durchblutung und beginnender Abheilung auf.
“Die Wunde hat irgendwann sogar aufgehört zu riechen”,
begeistert sich Martin. In der Tat entwickelt die Arbeit der Maden auch
deodorierende Wirkung. Die Wunden werden geruchsfrei.
Neue frische Maden werden in die heilende Wunde platziert, danach darf Martin nach Hause. Sobald die Therapie angeschlagen hat, werden die meisten Patienten ambulant weiter behandelt. Das spart vor allem Kosten. Sogar duschen darf Martin mit den Maden, allerdings erst nachdem er die Maden mit einer Plastikfolie geschützt hat. Schließlich sollen die kleinen Kriecher nicht ertrinken.
Nach vier Wochen Madenbehandlung attestiert Chefarzt Wim Fleischmann ihm
einen erfreulichen Heilungserfolg. Martins Beinwunde zeigt keine Infektionszeichen
mehr.
Die Maden haben ihre Aufgabe gelöst: Sie haben die Wunde gesäubert
und die Heilung in Gang gesetzt. Von Amputation ist keine Rede mehr.